Konzept: Selbsttests könnten der „Game Changer“ in der Corona-Krise sein

Veröffentlicht am 26.02.2021 in Standpunkte

Selbsttests könnten der „Game Changer“ in der Corona-Krise sein – wenn es ein transparentes und nachvollziehbares Konzept gibt, das

 

  • das konsequente Befolgen der Selbstisolation fördert,
  • die Priorisierung nachvollziehbar macht,
  • die notwendige Logistik aufzeigt,
  • ausreichende Testkapazitäten ermöglicht und
  • der Bevölkerung die Informationen entsprechend übermittelt.

Das Gesetz zur „epidemischen Lage nationaler Tragweite“, das zum 31. März 2021 ausläuft, wird um 3 Monate verlängert. Damit gelten die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit beschlossenen Regelungen zunächst bis zum 30. Juni 2021. Der Bundestag kann allerdings diese Regelungen jederzeit aufheben und die „epidemische Lage nationaler Tragweite“ für beendet erklären.

 

Für die andauernden Einschränkungen gibt es nach wie vor Unterstützung durch allerdings nur noch 55 % der Bevölkerung. Zunehmend werden die Einschränkungen für Einzelhandel, Gastronomie und Sport- und Kulturangebote hinterfragt, zumal ab dem 01.03.2021 die Friseurbetriebe wieder öffnen dürfen.

 

Ein weiterer Shutdown wird nicht ohne massive gesellschaftliche Verwerfungen durchzusetzen sein, ganz zu schweigen von den sozialen Auswirkungen auf die, die jetzt schon am härtesten getroffen sind.

 

Wir wissen, dass frühestens im Sommer 2021 alle, die geimpft werden wollen, auch geimpft sein werden und die Impfstrategie eine wichtige, aber keine schnell wirksame Maßnahme ist.

 

Selbsttests könnten der „Game Changer“ in der Corona-Krise sein, wenn ihr Einsatz gut vorbereitet, begleitet wird und für alle kostenlos ist. Mit einer Selbstteststrategie können Infektionsketten am entscheidenden Punkt gekappt werden: Dann, wenn Infizierte höchst infektiös sind, aber noch keine Symptome zeigen.

 

Seit dem 24.02.2021 sind drei Selbsttests zur Eigenanwendung zugelassen worden, weitere werden folgen. Die Anwendung ist einfach im vorderen Nasenbereich, diese Selbsttests haben eine fast so hohe Testgenauigkeit wie überwachte Schnelltests. Die Preise für Selbsttests liegen derzeit zwischen rund 2,50 und 9,00 Euro, würden sich bei hoher Produktion und garantierter Abnahme sicher im unteren Bereich einpendeln. Die Ausgaben für Selbsttests sind damit um ein Vielfaches geringer als die Kosten eines weiteren Shutdowns.

 

Führende Expertinnen und Experten, wie etwa der Harvard-Epidemiologe Michael Mina befürworten Selbsttests, da sie bis zur Impfung einen großen dämpfenden Effekt auf die Virusausbreitung haben könnten. Untersuchungen, die die Uni Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Charité durchgeführt hat, bestätigen dies. Dieser Einsatz von Selbsttests für zu Hause ist kein „Türöffner- Schnelltest“ für Veranstaltungen, Gaststätten usw. Er ist Teil eines Public Health Ansatzes, der auf der Mitwirkung der Bevölkerung basiert und die Eigenverantwortung stärkt, wenn die Anwendung und Organisation einfach und ohne Hürden sind. Die Anwendung von „Türöffner-Tests“ ist davon unabhängig.

 

Wenn nur die Hälfte der Bevölkerung mitmacht, würde es laut Modellrechnungen der Harvard-Universität schon ausreichen, um das Virus zu besiegen. Konkret heißt es in der Studie, wenn rund 50 Prozent der Bevölkerung die Selbsttests regelmäßig durchführen, bringt das den R-Wert innerhalb weniger Wochen so stark und nachhaltig unter 1, dass die Pandemie in diesem Teil der Bevölkerung sogar nahezu „ausläuft“. Relevanter als eine hundertprozentige Beteiligung ist demnach, die Tests häufig zu verwenden.

 

Der neue ergänzende Ansatz lautet: Die Bevölkerung testet sich freiwillig selbst, dadurch wird unser Gesundheitswesen entlastet, Existenzen sind nicht gefährdet und die horrenden Kosten eines weiteren Shutdowns werden vermieden. Mit diesem Public Health Ansatz werden Infektionsketten gekappt.

 

Um das zu erreichen muss ihr Einsatz gut vorbereitet, begleitet und kostenlos sein. Im Gesetz zur Fortgeltung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite muss der Anspruch auf kostenlose Selbsttests deshalb rechtlich verankert werden.

Es muss ein transparentes und nachvollziehbares Konzept geben, das

 

  • … die konsequente Befolgung der Selbstisolation fördert.

Es muss klar sein, wer zuerst den kostenlosen Selbsttest bekommt und wo er erhältlich ist.

Jeder/jede muss nach einen positiven Selbsttest sofort beim Hausarzt oder den Schwerpunktpraxen einen PCR-Test machen können.

 

Die Versorgung bei Selbstisolation muss sichergestellt sein.

 

Es muss eine sofortige Krankschreibung möglich sein, Eltern positiv getesteter Kinder müssen Anspruch auf Freistellung und PCR Tests haben.

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  • … die Priorisierung nachvollziehbar machen lässt.

Die Testkapazitäten sind derzeit noch begrenzt. Daher müssen Schulen und Kitas (inklusive Eltern) zuerst Tests erhalten, denn gerade die Kleinsten leiden unter der Situation. Jedes dritte Kind zeigt Verhaltensauffälligkeiten. Und in Alten- und Pflegeheimen sowie der Tagespflege werden in der Regel „normale“ PoC-Schnelltests genutzt.

Die nächste Gruppe könnten präsenzpflichtige Beschäftigte sein.  Mit diesen beiden Gruppen  würden ca. 46 Mio. Menschen erreicht.

 

Um den gewünschten Erfolg zu erzielen, müssten sich diese Personengruppen sehr engmaschig testen, anfangs möglichst täglich.

 

Weitere Testungen müsste die allgemeine Bevölkerung in Hotspots mit hoher Inzidenz machen.

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  • … die notwendige Logistik aufzeigt.

Zentral könnten die Tests für eine Woche in Schulen und Unternehmen verteilt werden.

Alternativ könnten Schulen ihren Schüler*innen und Lehrer*innen einen Gutschein pro Woche oder Monat aushändigen, Arbeitgeber ihren Beschäftigten einen Wochen-/Monatsgutschein ausstellen.

 

In Apotheken wird der Gutschein eingelöst. Die Apotheken bekommen die Tests geliefert und können ihre Dienstleistung über eine Sondernummer abrechnen.

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  • …auf ausreichenden Testkapazitäten aufbaut.

Es muss die klare Botschaft an die Hersteller gehen, dass noch höhere Stückzahlen benötigt werden. Das Bundesgesundheitsministerium muss jetzt Verträge abschließen.

Das PEI muss aufgefordert werden, mehr Selbsttests zu evaluieren, da eine erfolgreiche Evaluierung Voraussetzung für die Sonderzulassungen des BfArM ist.

 

  • … der Bevölkerung die Informationen verständlich übermittelt.

Es muss klar kommuniziert werden, was zu tun ist, wenn der Selbsttest positiv ausfällt und es muss klar sein, dass ein negativer Test trotzdem alle anderen Maßnahmen nicht unnötig macht.

 

Es braucht eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zum Gebrauch von Selbsttests.

Über die Medien müssen zielgruppengerecht alle Teile der Bevölkerung angesprochen werden. Testen muss in der Pandemie etwas Alltägliches werden.

 

Die Ansprache muss mehrsprachig, barrierefrei und in leichter Sprache erfolgen.

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