INFOS ZUR ORGANSPENDE

Veröffentlicht am 06.09.2018 in Allgemein

Die nachfolgenden Informationen rund um die Themen Widerspruchslösung und Hirntod sollen ein wenig Orientierung in der aktuellen Debatte über einen neuen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Spahn zur Organspende sowie die gesamtgesellschaftliche Diskussion zur Widerspruchslösung bieten.

 

 

I. Zahlen zur Organspende

Die Organspendezahlen sind seit 2010 in Deutschland rückläufig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Statista - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/70873/umfrage/anzahl-der-postmortalen-organspender-in-deutschland/

 

II. Derzeitige Regelung in Deutschland

In Deutschland gilt derzeit die sogenannte Entscheidungslösung, d.h. Menschen sollen zu Lebzeiten entscheiden, ob sie sich für oder gegen eine Organspende nach einem möglichen sog. Hirntod entscheiden. Die Krankenkassen sollen ihre Versicherten auf diese Entscheidung hinweisen, so dass alle Menschen mindestens einmal im Leben diese Entscheidung für sich treffen. Festgehalten wird die Entscheidung in der Regel auf einem Organspendeausweis, der kostenfrei im Internet herunterladbar ist, z.B. unter: https://www.dso.de/uploads/tx_dsodl/Flyer_mit_OS-Ausweis.pdf

Auf dem Ausweis kann festgelegt werden, ob man generell einer Organentnahme zustimmt, ob man nur für bestimmte Organe zustimmt oder ob man diese generell ablehnt.

Mit diesem Dokument hätten Ärzte eine Sicherheit, wie sie verfahren sollen, wenn die medizinischen Voraussetzungen für eine Organspende erfüllt sind (siehe „Hirntod“).

Bei einer möglichen Organspende sprechen die Ärzte mit den Angehörigen um den geäußerten oder vermuteten Willen des Verstorbenen zu ermitteln. Ist dieser nicht bekannt, sollen die Angehörigen im Sinne ihres Verstorbenen entscheiden.

Sehr viele Menschen in Deutschland besitzen aber keinen Organspendeausweis oder haben ihren Willen anderweitig schriftlich festgehalten. In den meisten Fällen müssen daher die Angehörigen des Verstorbenen entscheiden.

 

III. Prinzip der Widerspruchslösung

Die Widerspruchslösung dreht die Entscheidungsfindung um. Die Zustimmung des Patienten wird angenommen, außer er hat zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen. Insofern müsste also nicht mehr aktiv die Entscheidung für eine Organspende eingeholt werden, sondern Ärzte müssten prüfen, ob die Entscheidung gegen eine Organspende vorliegt.

Bei einer sogenannten doppelten oder erweiterten Widerspruchslösung würden die Angehörigen in die Entscheidung mit eingebunden. Liegt bei einem potentiellen Organspender keine schriftliche Erklärung für eine Organspende vor, würden die Angehörigen befragt, die dann entscheiden müssten. Wenn sie Widerspruch einlegen, wäre die Organentnahme unzulässig.

Unter der Voraussetzung, dass der übrige Prozess der Organspende (Todesfeststellung und Meldungen im Krankenhaus, Kooperation mit der Deutschen Stiftung Organspende usw.) reibungslos funktioniert, könnte eine Widerspruchslösung zu einer Vereinfachung der Organentnahme führen. Daher liegen ethische und rechtliche Bedenken vor, die es abzuwägen gilt. Vom verfassungsrechtlichen Standpunkt ist zu klären, ob die Widerspruchslösung gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Artikel 2, Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 1, 1 Grundgesetz) verstößt, da dieses über den Tod hinaus wirkt. Kann das nicht zweifelsfrei geklärt werden, müsste bei einer Einführung und möglichen Klage das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

 

IV. Medizinische Voraussetzungen für eine Organspende

Nicht jeder Verstorbene im Krankenhaus kann seine Organe spenden. Die Grundvoraussetzung ist die ärztliche Feststellung des nicht behebbaren Ausfalls des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Dies wird oft als „Hirntod“ bezeichnet. Da das Gehirn als Organ nicht wiederbelebt werden kann, würden dabei in kürzester Zeit auch die restlichen Organe absterben. Durch lebenserhaltende Maßnahmen (z.B. künstlicher Beatmung) kann dies aber aufgehalten werden, so dass Herz, Lunge, Nieren etc. eines „Hirntoten“ weiter arbeiten. Der Patient wird quasi an einem Sicherungsseil im Leben gehalten, während sein Gehirn bereits abgestorben ist.

Da es immer wieder Diskussionen gibt, ob dieser „Hirntod“ tatsächlich den Tod eines Menschen darstellt, hat sich der Deutsche Ethikrat 2015 mit dieser Frage intensiv auseinandergesetzt. Die Mehrheit im Ethikrat stimmt schließlich dafür, dass „Hirntote“ tot sind und eine Organentnahme ethisch zu vertreten sei. Letzteres zweifelte auch die Minderheit im Ethikrat nicht an, die aber den „Hirntod“ nicht als Tod ansah.  Die gesamte Stellungnahme des Deutschen Ethikrates ist hier zu finden: https://www.ethikrat.org/mitteilungen/2015/deutscher-ethikrat-veroeffentlicht-stellungnahme-zum-thema-hirntod-und-entscheidung-zur-organspende/

 

V. Vergleich mit anderen Ländern

Durchschnittliche Anzahl postmortaler Organspender in ausgewählten Ländern 2016 sowie gesetzliche Regelung

Land

Anzahl Organspender je Million Einwohner1

Gesetzliche Regelung2

Deutschland

10,4

Entscheidungslösung

Spanien

43,4

Widerspruchslösung

Frankreich (2015)

27,5

Widerspruchslösung

Österreich

24,9

Widerspruchslösung

Schweiz

13,3

erweiterte Zustimmungslösung

Kroatien

38,6

Widerspruchslösung

Belgien

31,6

erweiterte Widerspruchslösung

Niederlande

13,8

Widerspruchslösung

Bulgarien

5,6

Widerspruchslösung

USA (2015)

28,5

erweiterte Zustimmungslösung

1 Quelle: Statista - https://de.statista.com/statistik/daten/studie/226978/umfrage/anzahl-postmortaler-organspender-in-ausgewaehlten-laendern/

2 Deutsche Stiftung Organspende + Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages

 

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